Über eine interessante schwedische Internetseite für Kleinanzeigen stieß ich zufällig auf einen, nach den Fotos zu urteilen, gut erhaltenen Opel Kadett B aus dem Jahre 1970. Für unter € 1000,-- war der kleine Flitzer zu haben. Nach vielen Mails mit dem schwedischen Besitzer, brachte dieser mir das Auto sogar mittels Fähre nach Lübeck, für einen kleinen Aufpreis. Der Dokumententausch und Vertrag war dank eines von mir mitgebrachten schwedischen Freundes, kein Problem. Am nächsten Tag war die Bestandsaufnahme in einer befreundeten Werkstatt auf der Hebebühne dran. Die Übergabe am Tag zuvor fand auch noch im Dunkeln statt, sodass ich gespannt war, was sich mir an anstehenden Arbeiten offenbart. Der noch erste Lack war stumpf und sollte wohl mal, wie die neueren Kotflügel verrieten, blau sein. Das Blech allerdings war erstaunlich gut. Der Unterboden war ungeschweißt und tadellos, so wie man es gerne sieht. Die A-Säulen und Kotflügelbefestigungskanten brauchten Zuwendung, aber sonst war der Kleine wirklich gut. Auf Grund weniger Zeit und diversen freundschaftlichen Hilfen, war der Wagen nach einem Jahr "fertig". Neuer Lack, Reifen, Bremse, Innenhimmel etc... Ein echter Hingucker, wie mir sehr viele Leute versicherten. Jedoch stand diese Perle aus Bullerbü die meiste Zeit nur in meiner kleinen Halle und verbrachte sein Rentendasein mit Warten. Grund dafür ist meine wenige Zeit und die Tatsache, dass ich bei schönem Wetter doch eher meinen anderen alten Wagen (ein amerikanisches Cabrio) fuhr. Mit Familie und zwei Hobbyautos geht das nicht- so dachte ich und inserierte das Kiemencoupé. Dieses Inserat sah eine nette Frau aus Rüsselsheim, die mir sofort schrieb und das Auto sofort kaufen würde, wenn da nicht diese kostenintensive Renovierung ihres Hauses gewesen wäre. Es ging also nicht, aber wir schrieben uns noch diverse Mails mit dem Thema Opel Kadett B Coupé und wie ich so ein tolles Auto überhaupt verkaufen könne. So ganz war die Sache mit dem Kauf für die Rüsselsheimerin aber nicht vom Tisch, wie ich merkte. Immer wieder kamen Mails mit Fragen und Bilderwünschen. Jedoch rief plötzlich ein junger Mann aus Wuppertal an, der auch starkes Interesse zeigte. Er kündigte sich an und kam prompt nach Hamburg zum besichtigen. Am Tage der Anreise des Wuppertalers, schrieb mir die Michi aus Hessen, dass sie den Wagen haben will und sofort blind kauft mittels großer Anzahlung, denn das Geld wurde nun doch zusammengekratzt. Sie sah die Felle wegschwimmen und zog nun alle Register. Ich musste leider vorerst Ablehnen, denn der gute Mann war ja schon unterwegs. "Wenn er jedoch nicht verkauft wird, rufe ich umgehend an und berichte davon", so mein Versprechen. Es kam wie es kommen musste. Der braungebrannte junge Wuppertaler, der mehrere alte Fahrzeuge der Marke Opel besitzt und diese auch gerne umbaut sowie tiefer legt, schlug zu und riss ihn mir förmlich aus der Hand. Ich erzählte ihm sogar von der Frau aus Rüsselsheim, die in den Startlöchern sitzt und den Wagen haben möchte -nein- will. Es wurde nicht mal viel gehandelt und schon war "Er" weg mit dem Kadett. Der Käufer musste mir allerdings versprechen, dass der Wagen original bleibt und gepflegt wird! Wuppertal ist jedoch auch ganz schön weit weg... Michi indes erfuhr davon und war sehr niedergeschlagen. Die Mails von ihr rissen ab und wie ich später erfuhr flossen sogar Tränen, denn das Auto in Monzablau war wirklich ihr Traumauto. Ich hätte es auch lieber gesehen wenn das Auto in eine Frauenhand gekommen wäre, die sich liebevoll mit Ihrem Mann, der einen 1963er Rekord fährt, um den Flitzer kümmern. Nach einigen Wochen der Beruhigung, so dachte ich jedenfalls, meldete sich Michi wieder und bat mich vielleicht noch so einen zu restaurieren oder zumindest nach was ähnlichen zu suchen. Die Mails wurden regelmäßig und ich freute mich, trotz des geplatzten Deals, Kontakt zu den lieben Leuten zu halten, die meine Arbeit so zu würdigen wussten. Sie klang noch immer verzweifelt, auch nach diversen Monaten, die ins Land gingen. - Erstaunlich - Das nenne ich mal Leidenschaft zu einem Automobil, so dachte ich und versuchte sie zu überreden nach einem anderen Modell zu suchen, welches einfacher zu bekommen ist. Vielleicht eine B-Kadett 1.Hand Limousine? Nichts zu machen! Plötzlich, irgendwann Wochentags, ein Anruf aus Wuppertal im herrlichem Dialekt. Der Braungebrannte gab mir zu verstehen, dass er den Wagen doch wieder verkaufen wolle und ob die Frau aus Hessen den Wagen noch haben möchte. Aber Hallo! Sofort rief ich sie an, die Frau, die das seltene Kiemencoupé so liebt. Sie war sprachlos und schrieb fast stillschweigend die Nummer des Wuppertalers mit, die ich diktierte. Ein Wochenende später kaufte Michi das Auto sofort. Seit dem ist "Jens", der blaue Kadett - von Michi nach mir benannt- in seiner alten Heimat, mit Groß Gerauer Kennzeichen, wo er vor vielen Jahren vom Band lief. Wenn dieses Auto sprechen könnte.... ...würde uns das eh nichts nützen, es wäre wohl schwedisch. Aus der Kadett-Geschichte wurde eine sehr nette Freundschaft. Grade erst besuchte ich die Familie und durfte sogar mit dem Kadett fahren! jd |